Die Werkstatt & der Säckler
Traditionshandwerk vor Ort

Was eine „gscheite“ Lederhose ausmacht
Eine gescheite Lederhose wird nach Maß gearbeitet. Für Maßnehmen und Schnitt ist Franz Pöllinger zuständig. Säcklerin Monika Wolf erledigt dann Lederzuschnitt und Näharbeiten. Für eine schlichte Hose benötigt sie einen Tag. Reich bestickte dauern bis zu einer Woche. Vorlagen für die Stickereien sind häufig überlieferte Muster, die teilweise von uralten Lederhosen abgenommen werden. Rund 80 Prozent der handgefertigten Hosen sind aus Hirschleder. Allein der Materialwert beträgt hier rund 250 Euro. Aber auch Ziegenleder kommt zum Einsatz. Für eine traditionelle bayerische Lederhose wird sämisch gegerbtes Leder verwendet. Sämische Gerbung ist ein sehr altes, aufwändiges und natürliches Gerbverfahren. Es wird nur noch von sehr wenigen Gerbereien in Bayern und Österreich angewandt. Ergebnis: Das Leder atmet! Günstige Hosen werden hingegen chemisch gegerbt.

Der Säckler - Was ist das?
Die Berufsbezeichnung „Säckler“ kommt von „Sack“. Der Begriff kann erstmals im 8. Jahrhundert nachgewiesen werden. Säckler fertigten damals lederne Säcke. Im Laufe der Zeit erfuhr der Säckler einen Bedeutungswandel. Ab der frühen Neuzeit stand die Fertigung von lederner Beinbekleidung, aber auch Oberbekleidung, Taschen oder Handschuhe im Vordergrund. Heute wird der Begriff fast ausschließlich für die Herstellung von Lederhosen benutzt. Säckler ist in Bayern und Österreich ein Ausbildungsberuf. Dass dieser Ausbildungsberuf in Bayern nicht ausgestorben ist, ist auch der Familie Pöllinger zu verdanken.Wiederbelebt wurde er, als Pöllingers Frau Irmgard 1976 darauf bestand, diese Ausbildungsrichtung einzuschlagen und sie ihr Schwiegervater ausbildete. Seitdem kann man wieder Säckler lernen.



